Das versteckte Risiko bei „hochliquiden“ Sicherheiten
Erfahren Sie, warum hochliquide Sicherheiten in Stressphasen illiquide werden können und wie Privatbanken die Liquiditätsillusion durch Echtzeit‑Monitoring vermeiden können.

Im Private Banking werden ‚hochliquide‘ Sicherheiten oft als risikoarm eingestuft. Blue‑Chip‑Aktien, große Index‑ETFs und Investment‑Grade‑Anleihen werden routinemäßig mit minimalen Abschlägen akzeptiert. Diese Zuversicht beruht jedoch auf einer Annahme, die selten geprüft wird: dass die in normalen Märkten beobachtete Liquidität auch unter Stress bestehen bleibt.
Dieser Artikel untersucht die Liquiditätsillusion – die Lücke zwischen dem, wie liquide Vermögenswerte in ruhigen Zeiten erscheinen, und ihrem tatsächlichen Verhalten, wenn sich die Märkte drehen. Für Privatbanken, die Lombardkredite verwalten, ist das Verständnis dieser Lücke für ein effektives Risikomanagement essenziell.
Die Liquiditätsillusion: Was Banken häufig übersehen
Liquidität wird typischerweise anhand von Handelsvolumen, Bid‑Ask‑Spreads und Markttiefe gemessen. Nach diesen Kriterien erscheinen Vermögenswerte wie Apple‑Aktien, S&P‑500‑ETFs oder deutsche Staatsanleihen als hochliquide – und unter normalen Bedingungen sind sie das auch.
Liquidität ist jedoch keine feste Eigenschaft eines Vermögenswerts. Sie ist eine Marktbedingung, die variiert mit:
Marktstimmung — Angst veranlasst Liquiditätsanbieter, sich zurückzuziehen
Systemischer Stress — Wenn viele Teilnehmer gleichzeitig verkaufen müssen
Konzentration — Große Positionen relativ zum typischen Tagesvolumen
Zeithorizont — Dringende Liquidation versus geordnete Abwicklung
Marktstruktur — In elektronischen Märkten kann Liquidität in Millisekunden verschwinden
Die entscheidende Erkenntnis: anhand der in ruhigen Phasen gemessenen Liquidität lässt sich wenig über die Liquidität in Stresszeiten aussagen.
Das Liquiditätsparadox
Gerade die Vermögenswerte, die in normalen Zeiten am liquidesten erscheinen, werden in Stressphasen oft zuerst verkauft – eben weil sie verkäuflich sind. Dieser konzentrierte Verkaufsdruck kann die normale Market‑Making‑Kapazität überfordern, wodurch Spreads drastisch ansteigen und die Tiefe verschwindet.
Wenn „liquid“ illiquide wird: Praxisbeispiele
Der Flash Crash von 2010
Am 6. Mai 2010 fiel der Dow Jones Industrial Average binnen Minuten um fast 1.000 Punkte, erholte sich anschließend jedoch größtenteils. In diesen Minuten wurden viele „hochliquide“ Aktien zu Preisen gehandelt, die wirtschaftlich keinen Sinn ergaben – einige fielen auf Centwerte, andere schossen auf absurde Niveaus.
-9%
Dow Jones‑Rückgang in Minuten
20,000+
Später stornierte Trades
$0.01
Einige Blue‑Chip‑Trades
COVID‑Krise im März 2020
Die Marktverwerfungen im März 2020 offenbarten Liquiditätsengpässe selbst in den liquidesten Märkten. US‑Staatsanleihen – traditionell die liquidesten Vermögenswerte der Welt – erlebten erhebliche Handelsstörungen. ETF‑Preise lösten sich von den Werten ihrer zugrundeliegenden Vermögenswerte.
Das Konzentrationsproblem
Privatbanken stellen oft fest, dass ihre Kunden ähnliche Positionen halten – beliebte Aktien, bekannte ETFs oder weit verbreitete Anleihen. In Stressphasen entsteht dadurch ein verstecktes Konzentrationsrisiko:
Mehrere Nachschussforderungen können den Verkauf derselben Wertpapiere erforderlich machen
Die aggregierte Position der Bank kann im Verhältnis zur Liquidität während Stressphasen groß sein
Die Liquidation durch einen Kunden beeinflusst die Preise für alle anderen Kunden, die dieselben Vermögenswerte halten
Wie SpeciCRED das Liquiditätsrisiko angeht
SpeciCRED wurde mit Blick auf diese Herausforderungen entwickelt und bietet Privatbanken Werkzeuge, um über die Liquiditätsillusion hinauszublicken.
Die Liquiditätsillusion durchschauen
SpeciCRED stellt Privatbanken Werkzeuge zur Verfügung, um die tatsächliche Liquidität von Sicherheiten zu verstehen – nicht nur das, was sich in ruhigen Märkten oberflächlich zeigt.
Fazit: Liquidität ist ein Zustand, kein Etikett
Die Unterscheidung zwischen ‚liquiden‘ und ‚illiquiden‘ Vermögenswerten ist für allgemeine Kategorisierungen nützlich, aber für das Risikomanagement gefährlich. Alle Vermögenswerte liegen auf einem Liquiditätsspektrum, das sich mit den Marktbedingungen verschiebt.
Banken, die diese Fragen ehrlich beantworten — und Überwachungssysteme aufbauen, die die Liquidität dynamisch verfolgen — sind weit besser vorbereitet, wenn das nächste Stressereignis die wahre Natur ihrer „hochliquiden“ Sicherheiten offenbart.


